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Digitale Unterstützung bei der Therapiesuche: Im Gespräch mit Tamly

Das Team von Tamly hat eine App entwickelt, die den Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung erleichtert. Als Fachstelle Traumanetz Berlin wollten wir wissen, wie die App funktioniert und wie gewaltbetroffene, traumatisierte Frauen und TIN*-Personen davon konkret profitieren können. Dazu haben wir mit Christoph Speier aus dem Tamly-Team gesprochen. Vielen Dank für das Interview und die nette Zusammenarbeit!

1. Kannst du euer Projekt kurz vorstellen? Wie unterstützt eure App Therapiesuchende angesichts der schwierigen psychotherapeutischen Versorgungslage?

Tamly ist ein gemeinnütziges Projekt, das als gemeinsames Projekt Medizinstudierender entstanden ist. Wir als Team hatten in unserem eigenen Umfeld gemerkt, dass die Therapiesuche sehr aufwändig und anstrengend sein kann. Daher haben wir eine kostenlose App entwickelt, die Therapieplatzsuche unterstützt, in dem sie diese strukturiert und auf Telefonsprechzeiten aufmerksam macht. Inzwischen sind wir in 12 von 16 Bundesländern damit verfügbar und die App kann dort kostenlos genutzt werden. 

2. Wie funktioniert die Suche konkret? Was passiert, wenn jemand über die App nach einem passenden Therapieplatz sucht?

Wenn die App heruntergeladen wird, wird zuerst eine Liste mit Therapeut*innen nach den ausgewählten Filtereinstellung erstellt. Das sind dann zunächst 20 im näheren Umkreis. Dann kann abgewartet werden, denn die App schickt Benachrichtigungen, sobald eine*r der Therapeut*innen Telefonsprechzeit hat. User*innen können Therapeut*innen aber auch über eine Emailvorlage kontaktieren und ein Kontaktprotokoll erstellen*. Tamly hilft auch dabei, den Überblick zu behalten, wen man schon kontaktiert hat. Die Suche kann natürlich trotz der App eine Weile brauchen, aber viele Nutzer*innen berichten, dass Tamly sie sehr unterstützt. 

3. Was ist euch bei eurem Projekt persönlich wichtig?

Der wichtigste Punkt für uns ist es, Menschen dabei zu helfen mit weniger Hürden einen Therapieplatz zu finden. Wir legen großen Wert auf Datenschutz.  Die App kommt ohne Registrierung aus. Nur die Postleitzahl wird abgefragt und alles wird verschlüsselt auf dem Handy gespeichert. Uns ist es auch wichtig, dass die App möglichst leicht bedienbar ist und wir haben das Onboarding schnell und einfach zugänglich gestaltet. Denn Therapiesuche betrifft auch insbesondere Personen, die gerade keinen Antrieb haben oder depressiv sind. Wir versuchen, den Ton in der App möglichst motivierend zu haltend und gehen auf an uns gesendetes Feedback einzeln ein und verbessern die App ständig weiter. Uns ist es wichtig, dass User*innen mit App eine gute Erfahrung machen. 

4. In unserem Austausch haben wir über die besonderen Herausforderungen gesprochen, die mit der Suche nach einer Traumatherapie verbunden sein können. Ihr habt dafür eine Filterfunktion in die App eingebaut, die die gezielte Suche erleichtern soll. Wieso liegt euch dieses Thema besonders am Herzen?

Für uns sind verschiedene Belastungen gleich relevant. Uns ist es aber wichtig, mit sozialen Trägern im Austausch zu sein und Personengruppen zu unterstützen, die besonders belastet sind. Das Thema Traumatherapie kam auch im Feedback öfter als Nachfrage. Wir wollen die Suchfunktion weiter spezialisieren und freuen uns, dass wir die Filterfunktion zu Traumatherapie so schnell einbauen konnten**.

5. Was wünschst du dir für die Zukunft des Projekts?

Wir hoffen, dass wir möglichst bald in ganz Deutschland zur Verfügung stehen können. Wir haben schon viel erreicht, aber uns fehlt eine stabile und langfristige Finanzierung, um die Plattform weiterentwickeln und dauerhaft erhalten und pflegen zu können. Wir wollen so viele Menschen wie möglich unterstützen, die einen Therapieplatz suchen.

Anmerkungen der Fachstelle Traumanetz Berlin:

*Ein Kontaktprotokoll kann insbesondere bei Abrechnung über Kostenerstattungsverfahren wichtig sein, bei der der Nachweis über mindestens 20 kontaktierte Psychotherapeut*innen mit Kassensitz notwendig ist.Ein Kontaktprotokoll kann insbesondere bei Abrechnung über Kostenerstattungsverfahren wichtig sein, bei der der Nachweis über mindestens 20 kontaktierte Psychotherapeut*innen mit Kassensitz notwendig ist.

**Die App listet Psychotherapeut*innen mit Kassensitz. Da nur „EMDR“ (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) über die Krankenkasse abrechenbar ist, ist bei Tamly derzeit auch nur eine Filtersetzung für EMDR möglich. Andere traumtherapeutische Verfahren können dort bisher nicht gefiltert werden.