Eine frühzeitige, gewalt- und traumainformierte psychotherapeutische Unterstützung nach häuslicher und sexualisierter Gewalt ist zentral, um langfristige Traumafolgen zu verhindern und Genesungsprozesse zu ermöglichen. Gleichzeitig zeigen sich in der Versorgungspraxis spezifische Bedarfe und deutliche Lücken.
Die Ergebnisse unserer Umfrage zur »Versorgung gewaltbetroffener Frauen aus Sicht ambulanter Psychotherapeut*innen in Berlin« verdeutlichen diese Problematik:
- 60 % der befragten kassenzugelassenen Therapeut*innen berichten Wartezeiten von sechs Monaten oder länger.
- Neben langen Wartezeiten benennen die Befragten insbesondere strukturelle Herausforderungen: Die bestehende psychotherapeutische Versorgung ist für hochbelastete, mehrfach marginalisierte und komplex traumatisierte Betroffene häufig nicht ausreichend bedarfsorientiert ausgestaltet.
Die Ergebnisse verweisen damit auf ein strukturelles Dilemma: Die allgemeine Versorgung wird weder dem Anspruch auf eine zeitnahe psychotherapeutische Hilfe noch den komplexen Bedarfen vieler Betroffener geschlechtsspezifischer Gewalt gerecht.
Neben dem Ausbau spezialisierter, niedrigschwelliger und flexibler Angebote steht auch der stärkeren Vernetzung zwischen den beteiligten Akteur*innen sowie einer verlässlichen Finanzierung dieser Angebote eine zentrale Rolle zu.
Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen besonders kritisch zu betrachten: Mit dem geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz drohen weitere Einschränkungen in der psychotherapeutischen Versorgung. Einsparungen treffen auf einen Bereich mit ohnehin wachsendem Bedarf – mit erheblichen Folgen für Betroffene.
Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich: Es braucht dringend eine bedarfsgerechte, niedrigschwellige und traumainformierte Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung für komplex belastete, gewaltbetroffene Frauen.
Hier können Sie die Ergebnisse der Umfrage und Empfehlungen des Traumanetz Berlin lesen: